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8. Juli 2026

Viele Hektar Waldverlust: Wenn aus Grundsatzdebatten Stille wird | Millionengrab Brückenneubau: Augen zu und durch?

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Viele Hektar Waldverlust: Wenn aus Grundsatzdebatten Stille wird
Im Zuge der Raumverträglichkeitsprüfung zur Güterbahn-Neubaustrecke Mannheim–Karlsruhe wird auch die Gemeinde angehört. Die Trasse soll überwiegend entlang bestehender Korridore wie der Bundesautobahn A5 verlaufen.
Während bei der Windkraft acht Jahre über jeden Quadratmeter Wald gestritten wurde, geht es nun bei der Neubaustrecke um ein Vielfaches dieser Fläche. Im Gemeinderat herrschten darüber wenig Diskussionen und eine seltsame Einigkeit.
Einstimmig wich der Gemeinderat von der Verwaltungsvorlage ab: Das Projekt wird nicht begrüßt, sondern wegen des massiven Eingriffs in Natur und Landschaft kritisch begleitet. Zugleich wurde betont, dass Deutschland an internationale Verpflichtungen im Schienenausbau gebunden ist und daher eine Lösung im europäischen Verkehrsnetz gefunden werden muss. Der beschlossene Wortlaut geht zum überwiegenden Teil auf einen Formulierungsvorschlag der WBB-Fraktion zurück und lautet:

„Die Gemeinde Weingarten (Baden) bewertet den mit dem Vorhaben verbundenen Eingriff in den Wald und die Feldflur als erheblich und äußerst kritisch. Geeignete Lärmschutzmaßnahmen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen, sind entlang der gesamten Gemarkung zum Schutz unserer Bevölkerung im weiteren Verfahren unbedingt zu berücksichtigen und dauerhaft sicher zu stellen. Planung und Umsetzung der Gesamtmaßnahme haben unter größtmöglicher Schonung von Mensch, Landschaft und Natur zu erfolgen. Eine Trassenführung östlich der BAB 5 ist für die Gemeinde Weingarten unvorstellbar und inakzeptabel.” 

 

Millionengrab Brückenneubau: Augen zu und durch?

Die Macht der ersten öffentlich genannten Zahlen prägt alle weiteren Kostenentwicklungen sowie die politischen Bewertungen. Am Beispiel der Brücke über den Steinbruch im Baugebiet Kirchberg stellt sich die Frage, ob die damalige Zustimmung heute ebenso erfolgt wäre? Die WBB stimmte als einzige Fraktion gegen den Bebauungsplan – wegen des Brückenbaus, des massiven Eingriffs und der Kostenlawine.

Wurden die Kosten 2011 noch mit ca. 714 Tsd. € beziffert, wurde das Gremium im Mai 2025 über eine Verdoppelung auf rund 1,4 Mio. € informiert. Nur 13 Monate später liegen die Kosten bereits bei rund 2,3 Mio. € – aus der Verdoppelung wird eine Verdreifachung. Wohlgemerkt: dieselbe Ingenieursgesellschaft, derselbe Mitarbeiter.

Die WBB bedauert, dass ihr Antrag vom Nov 2024, eine deutlich günstigere, nachhaltigere Lösung mit dem Modell „Bewehrte Erde“ umzusetzen, nicht aufgegriffen wurde. Ein naturschutzrechtlicher Ausgleich hätte in direkter Nähe im Steinbruch Mauertal erfolgen können. Die Kosten der Brücke trägt allein die Gemeinde und damit die Steuerzahler; sie sind nicht erschließungsumlagefähig.

Bei den Erschließungsbeiträgen bestätigt sich dagegen die „Macht der ersten Zahl“: Unter Berücksichtigung der Teuerung entsprechen die ursprünglich öffentlich genannten Beträge nach knapp 20 Jahren weitgehend der damaligen Prognose.

GR Timo Martin

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